Hund barfen JA oder NEIN

Hund Barfen JA oder NEIN

Immer häufiger ist die Rede von Barf oder barfen! Vielleicht haben Sie in letzter Zeit auch schon einmal die Frage gehört, ob Sie Ihren Hund barfen bzw. roh füttern möchten. Was bedeutet Barf aber eigentlich genau und ist barfen gesundheitsschädlich und gefährlich? Fragen über Fragen, die ich gerne in diesem Artikel etwas erläutern möchte.

Pro und Contra barfen

Barf oder B.A.R.F. ist eine Abkürzung und wird in letzter Zeit gerne und häufig benutzt. Auch weiß fast jeder, der sich mit dem Thema gesunde Tierernährung auseinander setzt so „ungefähr“ was mit Barfen gemeint ist. Aber geht es ins Detail und wird das Thema Barf unter Hundebesitzern und Tierärzten angesprochen, so herrschen doch immer noch große Unwissenheit und viele Vorurteile.

Aussagen wie: „Sind Barfer nicht die Verrückten, die denken ihr Hund wäre noch ein Wolf?“- „Die müssen ja Geld haben, wenn deren Hund immer frisches Fleisch bekommt!“- „BARF bedeutet doch roh füttern und ständig ausrechnen, was der Hund benötigt.“ sind nicht selten.

Barf Bedeutung

Zunächst sollten wir erst einmal klären, was die Bezeichnung Barfen eigentlich genau bedeutet. Im Laufe der Zeit hat die Abkürzung Barf einen Bedeutungswandel vollzogen. Anfangs stand B.A.R.F. für „Born-Again Raw Feeders“ (wiedergeborene Rohfütterer‘). Dann wurde daraus „Bones And Raw Food“ (Knochen und rohes Futter).

Später ging es dann in Richtung „Biologically Appropriate Raw Food“ (Biologisch angemessenes rohes Futter), was ins Deutsche dann als „Biologisches artgerechtes rohes Futter“ bzw. „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ übersetzt wurde.

Barfen nur Fleisch?

Nein! Barf ist keine reine Fleischfütterung, sondern es wird generell Rohkost gefüttert. Das bedeutet also neben Fleisch und Knochen auch Gemüse, Salat, Eier und Obst – aber eben alles roh! Denn einem Wolf springt auch kein gekochtes Wild vor die Beine und außerdem gehen beim Erhitzen viele wichtige Nährstoffe verloren – so jedenfalls die großflächige Meinung der Barfgemeinde.

Doch mittlerweile steht der Begriff nicht mehr nur einfach so für artgerechte Rohfütterung, sondern es verbirgt sich dahinter ein festes Konzept, welches sich eben an den Wölfen orientiert. Die Aufteilung der Komponenten im Futter erfolgt beim Barfen nach dem Beutetierschema.

Wer seinen Hund nicht nach diesem vorgegebenen Konzept füttert, der barft auch schlicht und ergreifend nicht! Verstehen Sie mich nicht falsch, Barfen ist durchaus eine gesunde und artgerechte Ernährung, die allerdings extrem aufwendig ist und viele Kenntnisse vorraussetzt.

Daher meine Frage: Ist ein Barf Konzept für Hunde wirklich nötig und wird dieser Ernährungsstil nicht schlichtweg übertrieben? Welcher gesunde Mensch ernährt sich nach einem festgelegten Konzept? Wiegen wir unser Gemüse und Fleisch genaustens ab und rechnen aus, wieviel wir wovon benötigen, um ausreichend versorgt zu sein?

Erstellen wir akribische Essenspläne, in denen wir unsere Mahlzeiten so zusammengestellen, dass wir auch auf jeden Fall alle benötigten Nährwerte abdecken können? Aus welchem logischen Grund ist das dann alles beim Hund nötig?

Ist Barfen wirklich gesund?

Zunächst klingt das Wort barfen einfach und gesund. Dem Hund wird aus frischen und rohen Zutaten sein Futter zusammengestellt. Damit lebt er lange glücklich und zufrieden. Doch ist dem wirklich so?

Zunächst gilt: Eine bedarfsgerechte Rohfütterung und deren optimale Zusammenstellung erfordert Kenntnisse in der Futtermittelkunde und Tierernährung. Daher sollte vorab ein Spezialist konsultiert und ein individueller Futterplan erstellt werden.

Außerdem wird immer wieder in entsprechender Literatur angeführt, dass gebarfte Hunde ein besseres Immunsystem, stärkere Knochen, ein glänzenderes Fell und weniger Parasiten haben. Doch wissenschaftlich wurde das alles allerdings bislang noch nicht bewiesen, aber auch nicht widerlegt.

Barfen ist auf jeden Fall eine sehr gute Alternative und besser als jedes Trockenfutter oder minderwertiges Industrie Nassfutter! Doch barfen ist auch mit einigen Risiken verbunden.

Barfen birgt Risiken

Die BARF-Fütterung ist durchaus mit einigen Risiken verbunden! So kann es zu einer Über- oder Unterversorgung mit Nährstoffen kommen. Welche dann auch wieder zu gesundheitlichen Problemen führen können. Erste Anzeichen können starker Juckreiz oder enormer Mundgeruch sein. Außerdem kann das rohe Fleisch krankmachende Parasiten und Bakterien enthalten. Besonders im Sommer ist hier Vorsicht geboten.

Über- oder Unterversorgung mit Nährstoffen

Wie bereits erwähnt, erfordert die Zusammenstellung von einem Barf Speiseplan nicht nur Zeit, sondern auch spezielle Kenntnisse.

Barf Futterplan Studie

Dahingehend wurden 2010 an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München 95 eingeschickte Barf Rationspläne überprüft. Kein einziger eingesandter Barf Futterplan deckte den täglichen Bedarf an Nährstoffen. Sagenhafte 60 Prozent wiesen sogar gravierende Mängel in der Zusammensetzung auf. Oft wurde ein Calciummangel mit gleichzeitigem Phosphorüberschuss festgestellt, sowie Jod- und Vitamin-D Mangel beobachtet.

Doch auch die kommerziell käuflichen B.A.R.F-Pakete weisen zum Großteil erhebliche Mängel auf. Fünf von sechs der untersuchten „Barf Komplettmenüs“ wiesen ein starkes Nährstoffungleichgewicht auf, womit die Deklaration als „Alleinfutter“nicht mehr korrekt ist.

Einseitige Ernährung beim barfen

Weiterhin begehen viele Barfer den Fehler, ihrem Liebling nur reines Fleisch anzubieten und die Ernährung ist dahingehend zu einseitig. Somit sind zwangsläufig wichtige Mineralstoffe wie Natrium und Calcium, sowie Vitamine und Spurenelemente nicht ausreichend verfügbar.

Auch die benötigten Ballaststoffe für eine ordungsgemäße Verdauung fehlen komplett. Einfach so rohes Obst und Gemüse hinzuzugeben löst dieses Problem oftmals nicht, denn viele Gemüse Sorten werden für den Hund erst durch das Garen bzw. Kochen verdaulich.

Außerdem führt die reine Muskelfleischfütterung zu einer Überversorgung mit Proteinen. Das überschüssige Eiweiß muss zwangsläufig vermehrt abgebaut werden, was wiederrum die Niere (siehe auch Nierenprobleme beim Hund) und die Leber extrem belasten kann. Daher ist es ratsam, unbedingt auch Innereien, die weniger Protein enthalten, in die Barf Mahlzeit zu rund einem Drittel einzufügen. Wichtig ist auch auf verschiedene Fleischsorten und auf Fisch im Barf Speiseplan zu achten.

Darüber hinaus sollte der pflanzliche Anteil (Kohlenhydrate) in der Barf Ration für Hunde maximal 30% betragen. Denn zu viele Kohlenhydrate belasten nicht nur die Bauchspeicheldrüse, sondern auch die Nieren und Leber.

Viele der heutigen „Zivilisationskrankheiten“ bei Hund und Katze sind sicherlich auf einen zu hohen Kohlenhydratanteil in der Tierernährung zurückzuführen. Desweiteren ist die richtige Energieversorgung wichtig. Gerade für Barf Anfänger ist es zu Beginn schwer, die passende Futtermenge für den Hund abzuschätzen. Unter- und Übergewicht können die Folge sein.

Auch zu viele Knochen können problematisch werden und zum so genannten „Knochenkot“ führen, der für den Hund auch extrem gefährlich werden kann. Lesen Sie den Artikel: Verstopfung beim Hund zu diesem Thema.

Krankmachende Keime – Bakterien und Parasiten

Rohes Fleisch kann durchaus krankmachende Keime enthalten. Das kann nicht nur für den Hund zum Problem werden, sondern auch ganz besonders uns betreffen. So kann das gut gemeinte Barfen schnell auch gefährlich für Menschen werden, besonders Kinder und ältere Leute mit einem schwächeren Immunsystem sind hier besonders betroffen. Gerade in den Sommermonaten ist hier auf besondere Hygiene zu achten.

Eine Frage an Sie: Was kostest derzeit 1kg Rindfleisch beim Metzger? Geben Sie mir da Recht, wenn ich behaupte, dass der Preis dafür zwischen 9-15 Euro liegt? In vielen Barfshop wird 1kg Rindfleisch für 3-4 Euro angeboten. Warum sollte eine Metzgerei das selber Rindfleisch preiswerter verkaufen und auf Umsatz verzichten.

Parasiten und Bakterien im Rohfleisch

Die Universität Utrecht hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie zum Thema „Zoonotische Bakterien und Parasiten im Rohfutter für Hunde und Katzen“ herausgefunden, dass von 35 getesteten Rohfutterrationen alle bakteriell belastet waren. Obendrein enthielten einige Proben auch noch Parasiten (in diesem Fall Würmer).

Diese Krankheitskeime¹ mögen einem gesunden Hund mit einem intakten Immunsystem kaum etwas ausmachen, aber für uns Menschen sind sie extrem gefährlich und eine ständige Infektionsquelle.

Ergebnis der B.A.R.F. Studie

Parasiten und Bakterien im Rohfleisch - Studie

Parasiten und Bakterien im Rohfleisch – Studie

Barfen wissenschaftliche Studie

Wie diese wissenschaftliche Studie zum Thema Barfen eindeutig belegt, ist rohes Fleisch nicht keimfrei. Mitunter enthält es sogar krankmachende Bakterien und Parasiten. Somit kann barfen durchaus gefährlich für Menschen werden.

Aber natürlich müssten noch weitere Studien zum Thema Barfen und Rohfütterung durchgeführt werden, um mehr Klarheit zu schaffen. So müsste ferner untersucht werden, wieviele gebarfte Tiere und deren Halter tatsächlich an denen im Rohfleisch vorgefundenen Keimen erkranken und wieviele Nichttierhalter im Vergleich dazu.

Außerdem sollte erforscht werden, wie genau sich die Übertragung und das Infektionsrisiko verhält. Nur so lassen sich letztendlich die richtigen Rückschlüsse in Bezug auf die Rohfleischfütterung ziehen.

Außerdem sollte auch die bakterielle Belastung bei Industrie Fertigfutter noch genauer getestet werden.

Ist Fertigfutter keimfrei?

Unter der Leitung von Dr. Gary Pusillo und Dr. Tsengeg Purejav wurden im Jahr 2015 im Rahmen eines Crowdfounding-Projekt namens „The Pet Food Test“ insgesamt 12 Industrie Futtersorten (darunter u.a. Trocken- und Dosenfutter von bekannten und „nahmenhaften“ Marken) für Hunde und Katzen analysiert. Hier wurden allerdings andere Krankheitserreger untersucht, als in der Utrecht Studie. Ungeachtet dessen scheint auch Industrie Trocken- und Dosenfutter nicht völlig unbedenklich zu sein – ganz im Gegenteil!

Keime in herkömmlichen Industriefutter

Keime in herkömmlichen Industriefutter

Ergebnis der Studie

Studie - Belastung im Hundefutter

Studie – Belastung im Hundefutter – QuelleHier zur englischen Version

Multiresistente Keime, Hormone und Antibiotika im Fleisch

Vielleicht sollten wir aber mal, abgesehen vom Barfen oder Anti Barfen, auf die Ursachen und Gründe dieser extrem hohen Krankheitserreger im Fleisch näher eingehen?! Kommt diese überhöhte Keimbelastung, die verschiedenen Hormone und Antibiotika im Fleisch, egal ob Barf oder Industriefutter, eventuell von der falschen Nutztierhaltung – besser gesagt der Massentierhaltung?

Allein in Deutschland leben und sterben ca. 745 Millionen Tiere pro Jahr (Stand 2017), Tendenz weiter steigend².

Eine routinemäßige Gabe von Antibiotika ist mittlwerweile unvermeidlich geworden, welches sich natürlich auch im betreffenden Fleisch wiederfindet – antibiotikaresistente Keime entstehen. Auch der ständige Stress und die damit verbundene erhöhte Hormonproduktion der Tiere bzw. gezielte Hormonbehandlungen gehen ins Fleisch und Blut über.

Fehlende Bewegung und schnelles Mästen tun ihr Übriges. Außerdem entstehen in den Mastbetrieben schnell Krankheiten, beispielsweise auch durch falsches Futter.

Welches Barf Fleisch wo kaufen?

Nun werden sicher einige von Ihnen sagen: „Ich kaufe mein Barf Fleisch aber beim Metzger meines Vetrauens!“ Das ist sehr lobenswert, aber wissen Sie wirklich, woher das Fleisch kommt und wie die Haltung der Tiere war? Bio Höfe und kleine Schlachterein sollten hier in jedem Fall bevorzugt werden.

Gerade beim Barfen wird auch gerne preisgünstiges Stichfleisch³ (ist die Stelle, wo das Tier nach dem Bolzenschuß, zum Ausbluten gestochen wurde) verwendet. Aber gerade bei diesem Fleisch können große Gefahren lauern. So sollten beispielsweise Hunde, die an einer Schilddrüsenerkrankung leiden, Stichfleisch nicht bekommen.

Meine Barf Alternative

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1) Produktion Bayern 2) Produktion Schweden

 

Barfen und Hygiene

Nicht nur die richtige und nährstoffhaltige Zusammenstellung der Futterrationen ist beim Barfen enorm wichtig, sondern auch die entsprechende Küchenhygiene. Nur so kann eine eventuelle Infektion im Zusammenhang mit der Rohfleischverrabeitung vermieden werden. Denn die Keime finden sich nicht nur im Rohfleisch und später dann im Hundenapf wieder, sondern bleiben auch bei der Verarbeitung an unseren Händen kleben.

Also unbedingt Schneidebrett und Messer gründlich reinigen und stets ordentlich Hände waschen oder gleich Handschuhe verwenden! Außerdem kann auch der Hund selber zur Infektionsquelle werden, denn er scheidet ggfs. die Keime über den Kot und Speichel aus. Darum sollte dem Hund das Lecken, besonders im Gesichtsbereich, auch abgewöhnt werden.

Fazit zum Barf von Hunden

Barfen ist eine Kunst für sich und erfordert einige Kenntnisse und vor allem viel Zeit. Denn die Zutaten müssen nicht nur roh, sondern sollten auch frisch zubereitet werden. Wer diesen Arbeitsaufwand in Kauf nimmt und seinen Hund mit allen benötigten Nährstoffen versorgt, liegt mit Barfen auf der richtigen Seite.

Natürlich gibt es, wie überall, Vorteile und Nachteile auch beim Barfen. Ob nun Barfen Ja oder Nein, sollte aber jeder Hundebesitzer für sich selber entscheiden.

Abschließend lässt sich noch sagen: Egal ob Barfen mit rohem Fleisch oder herkömmliches Industriefutter, überall können sich eine ganze Reihe von Keimen tümmeln. Manche davon sind krankmachend und können ein Risiko für Mensch und Tier darstellen.

Wichtig ist bei der Tierfütterung allgemein die richtige Hygiene und auf Qualität zu achten, die natürlich auch ihren Preis hat!

ACHTUNG: Discounter Fleisch⁴ sollte nicht zum Barfen verwendet werden. Oftmals ist es nicht nur stark keimbelastet, sondern auch bereits „küchenfertig zubereitet“ und enthält eine „Lake aus Salz, Gewürzen, Säuren und Aroma“, also Gift für unsere geliebten Hunde!

Interessante Artikel zum Barfen und Quellen

¹ – https://www.n-tv.de/wissen/Rohfleisch-fuer-Haustiere-steckt-voller-Erreger-article20230956.html
² – https://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung
³ – https://de.wikipedia.org/wiki/Stichfleisch
⁴ – http://www.deutschlandfunk.de/verdacht-auf-irrefuehrung.697.de.html?dram:article_id=74722

Fragen zum barfen? - Soforthilfe
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